Was sind Künstlerbücher ?
  Künstlerbücher sind Kunst
   
 
 
Ein Buch ist a book est un livre    
 
 

Einführung

Künstlerbücher sind Bücher, die Sie in der Regel nicht in Buchhandlungen finden können;
vielleicht in einer besonderen Buchhandlung – einige wenige. Dann haben Sie Glück. Schon eher finden Sie welche bei Ihrem Buchhändler zu Hause in seiner Bibliothek.
Glück ist es sogar manchmal für Kenner wenn sie welche zu finden, denn Künstler sind individuelle Zeitgenossen, die ihre Arbeiten meist nicht professionell vermarkten. Weil sie so selten sind und meist auch nur in kleinen Auflagen oder als Unikate erscheinen, werden bestimmte Künstlerbücher auch als »rare books« bezeichnet.
Ausnahme machen da die Bände einer ganzen Künstlerbuchgeneration, die (siehe im Artikel unten) seit den sechziger/siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Konzeptkunst entstanden – meist preisgünstige Bücher oder Veröffentlichungen in Offsetdruck oder Fotokopie hergestellt, oder Bücher die als eine Art Projektbegleitung wie ein Ausstellungskatalog aufgebaut sind. (Um letztere geht es uns auf diesen Seiten weniger). Nach einer Zeit in der viele europäische Sammlungen ihren Focus auf konzeptuelle Künstlerpublikationen lenkten, einer Zeit in der auch bei jungen Kunstschaffenden die Malerei als unzeitgemäss empfunden wurde, werden inzwischen wieder mehr Künstlerbücher mit Originalgraphik und Unikate geschätzt und gesucht.

Auf dieser Seite können Sie Künstlerbücher nicht kennnenlernen oder erfahren, keine Internetseite wird die Bücher erzeugen und ersetzen können. Die Seite kann vielleicht helfen Sie für Künstlerbücher zu interessieren und mit der Liste der Veranstaltungen Möglichkeiten sie zu finden eröffnen.
Es lohnt sich dieses Genre der Kunst kennenzulernen. Jeder der Bücher mag, oder sich für Kunst interressiert, wird, nachdem er Künstlerbücher gesehen hat, sich in mindestens eines verliebten. Künstlerbücher sind so verschieden, wie die verschiedenen Sprachen der Erde, so verschieden wie die Menschen selbst, extremer als andere Bücher, oft sinnlicher, oft verschroben, verspielt, heiter oder zu Meditation anregend und vor allem Künstlerbücher haben eine Zukunft, sie werden zeigen, was ein Buch alles ist.

Wenn Sie einmal besonderes Geschenk suchen, kein Industrieprodukt, das Individualität des Nutzers vorgaukeln soll, sondern etwas liebenswertes, das man gerne immer wieder in die Hand nimmt, sei es um es zu fühlen, anzusehen oder wieder zu lesen – oder sich nach dem Alltag zu entspannen und seine Sinne aufzuwecken, dann kommen Sie auf eine der Künstlerbuchmessen, von denen es ja inzwischen reichlich gibt.
Auch die Frankfurter Buchmesse (jeden Oktober) hat eine Bereich mit Künstlerbüchern in der Halle 4.1 Gänge K, L, M und N.

   
   
 

Ein Buch is a book est un livre . . .

Künstlerbücher sind vielsprachig und vielschichtig wie die Sprache der modernen Kunst und wie die der menschlichen Kommunikation überhaupt. Künstlerbücher sind ein eigenständiges Genre der bildenden Kunst. Es können wertvolle Luxusausgaben mit Originalgraphik, Multiples oder unlimitierte Auflagen auf fotokopiertem Papier sein.

Das Künstlerbuch gibt es seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Es ist eines der vielen Ausdrucksmittel der Avantgarden der Moderne. Wo Komponisten Polystilistik, Polyrhythmik und Polymelodik erkundeten und Maler Perspektiven stürzten, experimentierten Dichter und Typographen, Visionisten und Philosophen an neuen Formen des Lesens. Stéphane Mallarmés »Le coup des dés...«, die typographischen Arbeiten von Marinetti oder Schwitters einerseits, Dubuffet und Matisse andererseits sind Grund- und Meilensteine dieser Kunst. Frankreichs große Meister der Malerei schufen die ersten großen Künstlerbücher in der Sprache der Maler, wie »Jazz« von Matisse (gedruckt), oder das Unikat-Buch (gemalt), beide zunächst angelehnt an die Tradition der illustrierten Bücher. Das wäre in England oder Italien undenkbar gewesen. So kommt es, daß Bücher mit Illustrationen von Malern später als livres d’artistes bezeichnet wurden. Einen anderen Typ von Künstlerbüchern hat man – da die Impulse nach dem Krieg meist aus England und Amerika kamen – in den letzten drei Jahrzehnten als artists’ books bezeichnet. Pop, Fluxus, Actionkunst, Arte povera etc. – vor allem aber die Konzeptkunst gab dem Künstlerbuch einen Schub und sicherte ihm mit »Konkreter Poesie«, tautologischen und linguistischen Experimenten einen Platz in der Kunstgeschichte. »Es handelt sich um eine Reminiszenz an das Kalte und Philosophische, im Gegensatz zu den Werken die vorrangig nach dem traditionellen Input über die Wahrnehmung des sichtbar-fühlbaren arbeiten« schrieb Germano Celant 1977. Heute sagt man, daß die artists’ books ein frühreifes Symptom der Krise von Datenmassen waren. Pulpige Typographie und konzeptuelle Werbung in meist unbewußter Anlehnung oder ironischer Distanz übertreffen alles, was für die Künstler der 60er und 70er Jahre der Anbruch des Pop und simultane Wahrnehmung bedeuteten. Der »Typus« ist längst Wahrnehmungsgewohnheit geworden, oft nur noch lähmend für Nerven und Sinne.

Wie auch immer man sie bezeichnen mag – Künstlerbücher, artists’ books, livres d’artistes – in allen sondieren Künstler auf ihre Weise weiter nach Gründen und Abgründen des Mediums Buch und des Daseins. Allein durch künstlerische Lebendigkeit – welcher Art auch immer – und nicht durch reines Produktdesign kšnnen Bücher zu magischen Orten werden, an denen man sich gerne aufhält, Orten, wo Wahrnehmung aufwacht.

 

Zu einem späteren Zeitpunkt werden Sie in der "historischen Bibliothek" dieses Salons Statements von Künstlern, (die öft künstlerische Statements sind), Definitionen und geschichtliche Basisdaten finden, außerdem Artikel und Rezensionen.
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Wir möchten die "Neuen" unter Ihnen darauf hinweisen, daß im Zusammenhang mit Künstlerbüchern oft auch der Ausdruck "Editionen" fällt. Im derzeitigen Sprachgebrauch sind damit auch Mappen von Künstlern mit Grafikarbeiten gemeint. Das hat nichts mit Büchern zu tun, da es in der Regel nur zu einem Thema gesammelte Drucke sind, die sich so besser verkaufen lassen sollen.

 

 

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> Artikel in der Jungen Welt
Hartmut Andryczuk
(Link auf externe Website)

"Gefährdete Spezies" http://www.jungewelt.de/2003/07-04/021.php

Diskussion 1: von Henry Günther

"Gelungene Editionen"

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